Herz und Leidenschaft gaben den Ausschlag
21.02.2010 17:10 UhrDie Basketballdamen der WWK Donau-Ries sind auf dem besten Weg, dem Abstieg in der DBBL zu entgehen: Sie schlugen am Samstagabend in der Hermann-Keßler-Halle den Tabellenzweiten TSV 1880 Wasserburg sensationell mit 80:77, nachdem sie zur Halbzeit schon mit 41:36 geführt hatten. Damit festigten sie ihren wichtigen neunten Platz.
Bessere individuelle Besetzung des vielfachen deutschen Meisters und Pokalsiegers Wasserburg gegen Herz und Leidenschaft der Einheimischen, so kündigte WWK-Coach Pat Bär das Spiel an. Und Herz und Leidenschaft siegten. Die WWK Donau-Ries-Damen (Schirmherr Landrat Stefan Rössle fieberte die 40 langen Spielminuten zusammen mit von Sportdirektor Kurt Wittman bestätigten 750 Fans mit) spielten am Samstag, als wären sie der Tabellenzweite und die Gäste weiter hinten. Die WWK Donau-Ries führte mit Ausnahme der ersten Spielminuten über das gesamte Spiel, hatte zwischenzeitlich gar 15 Punkte Vorsprung und verteidigte am Ende, als die Kräfte nachließen, wahrlich mit Herz und Leidenschaft die Führung bis zum Sieg.
Mircheva die erfolgreichste Werferin
Vom Anpfiff des guten Schiedsrichtergespanns an zeigten die Einheimischen, dass sie den letzten schwachen Auftritt in Marburg vergessen machen wollen. Und insbesondere Viktoria Mircheva und Kasia Dluzyk, die beide bisher nicht immer voll überzeugten, zeigten, wie wertvoll sie sein können. Mircheva wurde mit 23 Punkten nicht nur erfolgreichste WWK-Werferin, sondern mit 14 Rebounds auch die dominierende Rebounderin des gesamten Spieles. Und Dluzyk kam ihr mit 20 Punkten als Werferin recht nahe, war daneben aber auch eine klare Spielführerin mit vielen Impulsen und guten Pässen.
100 Prozent Wurfausbeute
Aber nicht sie allein lieferten erste Sahne ab. Sarah Wilson, die immer zuverlässige, wurde zur „Lady 100“: 100 Prozent Wurfausbeute aus dem Feld und beim Freiwurf bedeuteten 16 Punkte. Da sie mit anhaltenden Schulterproblemen immer wieder auf die Bank musste, erfüllte Denny Recht in ihren Pausen den Job mit gewohnter Zuverlässigkeit. Und Maggie von Geyr, wie immer mit viel Einsatz und einigen unerklärlichen Passfehlern, erfüllte den ihr zugedachten Auftrag: Ihre vier Dreier erboste den Wasserburger Coach besonders, hatte er seine Damen doch vor seiner ehemaligen Spielerin gewarnt. Dass sie nicht immer so wie von ihm gewünscht gedeckt war, hatte jedoch einen Grund in seiner Vorgabe. Wasserburg, so war es auch angekündigt, wollte Annika Danckert als Topwerferin der Einheimischen aus dem Spiel nehmen und das gelang weitgehend, indem die Gäste ihr viel Aufmerksamkeit widmeten. Dadurch allerdings gab es Chancen für die übrigen Vier, so auch freie Würfe für von Geyr. Und dass Danckert am Ende mit einem Dreier noch zur Spielentscheidung viel beitrug, bewies ihre Klasse.
Alles Lob für jede einzelne Akteurin wird jedoch überlagert vom Lob für eine tadellose Mannschaftsleistung. Mit 20 Treffern aus 32 Würfen bei den Zweiern gab es mit 63% eine Bestmarke, übertroffen noch mit den 19 Treffern aus 22 Freiwürfen (86%). Nur bei den Dreiern waren die Gäste stärker und diese Stärke hatte einen Namen: Ashley Nicole Hayes. Die Amerikanerin hielt mit ihren sieben Dreiern (zuletzt 28 Punkte) die Gäste über lange Zeit allein im Spiel.
Lautstarke Trommlergruppe
Es war angerichtet für ein Topspiel, reichlich Fans insgesamt, auch mit einer lautstarken Trommlergruppe aus Wasserburg und einer Fangruppe aus Buchdorf bei Donauwörth, einem routinierten Hallensprecher in Robert Milde, der immer wieder zur Anfeuerung des eigenen Teams aufforderte und mit dem Geschäftsführer der DBBL, Achim Barbknecht als neutralen Gast. Und die ersten Akzente setzte Kasia Dluzyk, die energisch zum Korb zog. Sie und Mircheva, teilweise noch tollen Spielzügen, holten die erste WWK-Führung, immer nur egalisiert durch Dreier von Hayes. Mit 11:10 schaffte sie dann durch Dreier die letzte Führung der Gäste in der 6. Minute. Dann legten die Einheimischen bis zur ersten Viertelpause durch Wilson eine 20:13-Führung vor. Es gab schon viel Beifall für einen phantastischen Start.
Und es ging so weiter. Zunächst wurde Dluzyk bei ihren Korbaktionen gefoult und verwandelte die Freiwürfe sicher, dann traf von Geyr mit ihrem ersten Dreier. Dluzyk zeigte, dass sie auch Dreier werfen kann, Recht verwertete ihre Chance sicher und Wilson trug ihren Teil bei. Auf der Gegenseite hatte Kühn eine Serie von sieben Punkten und Hayes lieferte Dreier auf Dreier, doch die WWK-Führung wuchs bis zur 17. Minute auf 38:26. In der 20. Minute führten die Einheimischen mit 41:31, doch Tatham gelangen noch fünf Punkte zum 41:36 zur Halbzeit.
Werden die Kräfte langen, war die bange Frage bei Wiederanpfiff? Doch die Gastgeberinnen zeigten keine Müdigkeit. Zwar wurde es bis zur 24. Minute eng (48:46), doch dann schafften Dreier von von Geyr und Freiwürfe von Mircheva wieder Luft. Und Wasserburg wurde seltsam erfolglos. In sechs Minuten gelangen nur vier Punkte durch Tatham. Wichtig war, dass Mircheva alle Fehlwürfe der Gäste abfischte und die Gastgeberinnen toll sowohl von innen wie von außen trafen. Wasserburg war von der Rolle. Und WWK führte unter dem tosenden Beifall der Fans nach dreißig Minuten mit 64:51.
Es wurde nochmals spannend
Doch jetzt wurde es nochmals spannend. Wasserburg, das schon lange mit Zonenverteidigung agierte, kam in den nächsten vier Minuten wieder auf 68:63 heran. Wichtig waren Punkte von Wilson und Danckert mit Freiwürfen, die wieder Luft schafften. Doch in der Offensive ging bei den Einheimischen nicht mehr so viel und die Wasserburger kamen durch Kühn und Tatham bis auf 74:73 in der 37. Minute gefährlich nahe. In der 39. Minute stand es dann 76:75 und die letzten Sekunden wurden zur reinen Nervensache. Fehler auf beiden Seiten waren die Folge. Als Danckert 56 Sekunden vor Schluss dann ihren einzigen Dreier verwandelte, schien die Partie gelaufen. Doch die folgenden Sekunden wurden noch zu einer harten Probe für die inzwischen stehende Halle. Zunächst schied Nationalspielerin Richter nach einem harten Foul an Dluzyk mit fünf Fouls aus, Dluzyk verwandelte einen der zwei Freiwürfe zum 80:75. 22 Sekunden vor Schluss hatte dann Hayes zwei Freiwürfe zum 80:77. In der Folge versemmelten die WWK-Damen den Einwurf von der Grundlinie, doch Wasserburg patzte im Gegenzug ebenso. Der Schlusspfiff bedeutete Erlösung und Jubel pur für die Einheimischen. Otto Riedelsheimer
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